Niveau, zum Zweiten

Nein, dies ist kein Relaunch. Don't call it a comeback. Die kontinuierliche Sprachlosigkeit der vergangenen Monate ist zum Teil der mangelnden Kontinuität in der Entwicklung der rot-schwarzen geschuldet. Sicherlich hätte es ausreichend Material zum hingebungsvollen Frotzeln über fehlende Streitkultur, spielfreudige, aber unglückliche und letzten Endes frust-fressende Brasilianer oder die Folgen von vorbildlichem Einsatzwillen neuer österreichischer Hoffnungsträger gegeben. Aber wer will das schon...

Wenden wir uns also einem erfreulicheren Kapitel der erstarkenden Frankfurter Fußballkultur zu. Der quasi zweiten Mannschaft, den blau-schwarzen vom Bornheimer Hang, die wenige Jahre nach der Rückkehr der Eintracht in die Bel Etage ihren Platz in der Montags-Spielklasse für sich vereinnahmen wollen. Nach dem Aufstieg vor wenigen Wochen, damals noch mit einer gehörigen Portion Aufbruchstimmung begleitet und vom allgemeinen Wohlwollen, dass die Mehrzahl der in erster Linie wegen des überraschenden Erfolgs anwesenden Anhänger der Mannschaft entgegenbrachten, findet man sich nun vorrübergehend im Weltmeisterschaftstollhaus im Stadtwald wieder. Weil man mit den 3 bis 5.000 Mann, die im Stadion am Hang für einen Hexenkessel reichen, in der Arena der europäischen Träume nicht viel Eindruck schinden kann, wurden flugs mehrere Tausend Freikarten unters Volk gebracht. Und nachdem am gestrigen Sonntag erstmals die Schallmauer der fünfstelligen Augenzeugenzahl durchbrochen war, konnte die so von ihrer eigenen Zugkraft überzeugte Mannschaft ihren ersten Sieg nach Hause bringen. Vor allem bringen: Die ewig-treuen der "Senseless-Crew" liessen sich nicht von ihrem Wahlspruch "Auswärtssieg" abbringen, eine Remineszenz an die noch im Umbau befindliche Heimspielstätte im eigenen Kiez. Ansonsten liess sich die Familienfreundliche Atmosphäre auch nicht von den durchaus lautstarken Störmanövern der 300 versprengten Oberhausener aus der Ruhe bringen. Die passende Antwort hatte man offenbar schon vor Spielbeginn geliefert, darauf deutet zumindest die eingeworfene Heckscheibe des Mannschaftsbusses aus dem Ruhrgebiet hin. Und diese niveauvolle Untermalung der Frankfurter Kampfbereitschaft führt denn auch auf die sontigen Bestrebungen der Vereinsführung hin, im Eintrachtland für einige Reizpunkte und Alleinstellungsmerkmale zur besseren Positionierung zu sorgen: Schon in der Sommerpause versuchte man, mit dem einen oder anderen Seitenhieb Richtung Riederwald eine längst verlorene Rivalität wiederherzustellen. Die etwas lose Argumentationskette um nicht stattfindende Testspiele, Unterschiede in der gezahlten Stadionmiete oder das Umflaggen rund ums Waldstadion hinterliess mich eher schulterzuckend, die vereinnahmenden weissen Hussen, die den bekannten Frankfurt-Schriftzug um ein "FSV-1899" erweitern finde ich eigentlich ganz gut - auch wenn das die meisten anderen Eintrachtler natürlich mit gutem Grund kategorisch ablehnen. Das erfolgreiche Heim Auswärtsspiel, das ich dank einer glücklichen Fügung des Schicksals aus dem Bereich der Besserverdienenden verfolgte, zeigte auf den ersten Blick die ansteigende Niveaukurve rund um den Neuling in der Profispielklasse. Herr Funkel war anwesend, mutmasslich um die Beansprachung des jungfräulichen Rasens zu überwachen, und auch sonst reichlich B-Prominenz aus dem Sportteil. Auf den ersten Blick: Jörn Andersen, Ex-Torschützkönig und nun Übungsleiter des aktuellen Tabellenführers. Mit Anhang, ob es sich dabei um Freundin, Ex-Frau oder Tochter handelte war leider nicht ersichtlich. Lorenz-Günther Köstner ebenso wie Holger Fach und sehr viele junge Männer, dank Pomade im Haar und japanischen Designerjeans an den Beinen als erfolgreiche Spielervermarkter zu identifizieren. Nicht unerwähnt bleiben soll ein Ultra von den Darmstädter Lilien, der sich beim Lüpfen seines T-Shirts als äusserst authentisch herausstellte. "Kulthund Schröder" sorgte derweil für die Wau-Effekte auf der Tribüne. Und der Chef de Cuisine holte auf Nachfrage sogar die Kuchenreste vom letzten Eintracht-Spiel aus dem Kühlhaus.

So macht Fußball jedenfalls wieder Spass. Ich freue mich auf Fortsetzung, ebenfalls auf erfolgreiche Pokalspiele in Jena und gegen Rostock, und auf die vielen sich anbietenden Wortwitze rund um Thomas Oral.
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