Rostock calling
Bei jeder Begegnung gegen die Hansa-Kogge gehen die ersten Gedanken unweigerlich in Richtung des verhängnisvoll-richtungsweisenden Frühsommer- nachmittages im Mai 1992. Heute Abend geht es um nicht mehr als Ruhm, Ehre und den nächsten kleinen Schritt Richtung Cupfinale in Berlin. Und, ganz nebenbei natürlich um einen Haufen Geld. Dem neuen Fernsehvertrag um die Pokalrunde ist es zu verdanken, dass bereits ab dem Achtelfinale richtig viel zu verdienen ist. Um einiges mehr sogar als in der eigentlichen Belohnung eines Endspielerfolgs, dem in seiner Bedeutung am Rande zur Bedeutungslosigkeit stehenden Uefa-Cup. Und jenem Pay-TV-Werk ist es zugleich auch geschuldet, dass die meisten Spiele zwecks einer reibungslosen Übertragung zu einer Uhrzeit angepfiffen werden, die bislang offenbar nur 15.000 Fußballverrückte zu einem Stadionbesuch bewegen konnte – und damit die erhöhten Einnahmen durch die Fernsehpräsenz zu nicht mehr als einer Kompensationssumme degradieren. Wem wird so geholfen? Hoffentlich nicht unseren Gästen, die an solche eher zu vernachlässigenden Kulissen in ihrer grauen Zweitklassigkeit besser gewöhnt sein dürften als unsere graumäuserischen Erstligaprofis vom Main. Andererseits können sich auch unsere geschätzen Nachwuchsultras freuen, die solch eine puristische Atmosphäre, ganz frei von allen Erfolgsfans und Businesskunden ja nur aus den Schwärmereien ihrer Capos kennen dürften. Und mir, als Freund aller statistisch motivierten Theorien, macht der Gedanke Mut, dass dem ersten Pflichtspielsieg nach zwei Monaten langsam nicht mehr aus dem Weg zu gehen sein dürfte....
frankfurterniveau - 23. Sep, 08:46